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Ein alltägliches Beispiel

 

Mein Youtube-Video »Einstein eindeutig widerlegt« trägt absichtlich einen sehr provokativen Titel. Es ist daher nicht überraschend, daß Pseudo-skeptiker, die bei solchen Themen immer getrieben werden von ihren Emotionen, gerne kommentieren. Im folgenden ist mein kurzer Dialog mit dem User »T00MM77« aufgeführt, der sehr schön viele der oben von Truzzi aufgeführten Charakteristika eines Pseudoskeptikers an den Tag legt.

 

T00MM77s erster Kommentar:

»Deine Behauptung ›Einstein eindeutig widerlegt‹ ist einfach unglaubwürdig!

Ich bin kein Physiker und hab damit nix weiter am Hut.

Aber ich denke wenn eine so grosse Theorie so eindeutig falsch sein soll (wie du es hier beschreibst) hätte sich doch bestimmt schon mal irgendein Wissenschaftler daran gemacht sie wirklich zu widerlegen,der Ruhm allein,Einsteins Theorie als falsche Theorie zu entlarven sollte ansporn genug sein.«

 

[Anmerk.: Meine Behauptung, die ich im Video ausführlich untermauere, ist für ihn »einfach unglaubwürdig«. Das ist das einzige »Argument«. Kein Zweifel wird zugelassen, sondern einfach nur abgestritten, siehe Punkt (1). Auf die substanzlose Gegenbehauptung (6), kein Wissenschaftler habe jemals versucht, Einstein zu widerlegen, schrieb ich folgendes...]

 

Ich:

»Hast Du einen Fehler in meinem Video gefunden? Nein? Dann stehe ich zu meiner Aussage. Und es hat in den letzten hundert Jahren eine ganze Reihe an Wissenschaftlern gegeben, die gegen Einstein waren. Google mal ›absolute groesse relativität‹ und nimm das erste Ergebnis.

Man hört von Kritik nur nichts, weil die Toppositionen ausschließlich mit Relativisten besetzt werden. ›Vetternwissenschaft‹.«

 

[Anmerk.: Ich bot ihm an, sich eine über 1000seitige, kostenlos im Netz erhältliche Sammlung von kritischen Arbeiten zu Einsteins Spezieller Relativitätstheorie anzusehen. Hier ist der direkte Link. Zur Antwort bekam ich nur...]

 

T00M77:

»Keine Ahnung ob du da irgendwas falsches in deinem Video zum Besten gibts.

Du bringst aber hier genau das was Verschwörungstheoretiker immer sagen:

...es gibt das so grosse unbekannte Mächte die die Wahrheit unterdrücken..etc.

sorry...durchgefallen«

 

[Anmerk.: Keine Ahnung, keine Fehler gefunden, aber (unsachliche) Kritik üben (Punkt (5)). Er hat offensichtlich das Recht, meine Arbeit ohne jeden Grund, einfach nur, weil ihm das Gesagte nicht gefällt, zu kritisieren, aber ich darf Einsteins eindeutig falsche Vorhersage nicht kritisieren? Zweierlei Maß bei der Kritik (Punkt (2)). Offensichtlich hat er auch mein Angebot, sich weiterzuinformieren, nicht angenommen und meint, mich als Verschwörungstheoretiker diffamieren zu müssen und mir falsche Worte in den Mund legen zu können, indem er mir nachsagt, ich hätte von »großen unbekannten Mächten« geredet, die die Wahrheit unterdrücken wollen. Er diskreditiert lieber, als selbst mal zu untersuchen, Punkt (3).]

 

Ich:

»So ein Quatsch. Wann habe ich gesagt, es gebe eine unbekannte Macht, die die Wahrheit unterdrückt? Hörst Du gerne, was Du hören möchtest? Wenn einem kein Argument einfällt, einfach mal nichts sagen.«

 

[Anmerk.: Ich wollte nicht »einfach mal die Klappe halten« schreiben, um nicht weiter an den Emotionen zu rühren.]

 

T00MM77:

»habs nur überspitzt ausgedrückt.

DU hast einfach keine wirklichen Beweise für deine Behauptung.

Und ohne Beweise sollte man solche Aussagen für sich behalten.

Wenn es handfeste Beweise gäbe würden die auch anerkannt und publiziert..das ist ein FAKT!«

 

[Anmerk.: Der Beweis meiner Behauptung ist, daß in hundert Jahren noch nicht einmal eine Ablenkung des Sternenlichts in einiger Entfernung zur Sonne beobachtet wurde, und das obwohl sie leicht zu beobachten sein sollte. Dann kommt noch einmal zweierlei Maß für die Anwendung von Kritik, wenn er mir sagt, ohne Beweise sollte man solche Aussagen für sich behalten, er aber selbst zugab, keinerlei Ahnung zu haben, was an meinem Video falsch sein könnte.]

 

Ich:

»Du siehst das falsch. Ich bin nicht derjenige, der eine Behauptung aufgestellt hat. Einstein hat gesagt, Licht verhalte sich soundso in der Nähe der Sonne. Aber das wird nicht beobachtet. Ich muß nicht weiter zeigen, daß er sich geirrt hat. Seine Anhänger müssen zeigen, daß es Beweise gibt. Die Abwesenheit von Beweisen ist ein Beweis für Abwesenheit. Und dann darf ich dich zitieren: Wenn es handfeste Beweise gäbe, würden die auch publiziert.«

 

T00MM77:

»Aha.Die ART ist eine der am Besten überprüften Theorien..liesst man und hört man so

Sie wurde nicht bewiesen..weil man falsifiziert in der Physik...hab ich gehört

Die ART ist eine Riesentheorie...sie wurde getestet JAHRZEHNTELANG und keiner konnte Beobachtungen machen die ihr widersprechen.Hobby-Wissenscha­ftler neigen nur gern dazu wichtige Dinge zu übersehen.Dein Video ist voll mit Halbwahrheiten,halt genau wie ein Verschwörungstheoretiker.«

 

[Anmerk.: Und was man so liest und hört, muß stimmen. Hier wird Punkt (7) bedient. Hört sich plausibel an, daß die ART jahrzehntelang getestet worden ist und es keine widersprüchlichen Beobachtungen gibt. Die, die ich in meinem Video erwähne, gilt wohl nicht. (Und wer sich informiert, der wird noch weitaus mehr finden, z. B. die Rotationsgeschwindigkeiten von Sternen in Galaxien oder den Sagnac-Effekt.) Dann folgt mal wieder eine persönliche Schmähung mit substanzlosen Behauptungen von »Halbwahrheiten« in meinem Video und einer erneuten Diffamierung als »Verschwörungstheoretiker«. Nichts als emotionales Argumentieren.]

 

Meine letzte Antwort:

 

»Du wirfst mir Halbwahrheiten vor, aber mit keinem Wort sagst Du, was falsch oder halbwahr ist. Großspurig daherreden, ohne irgend etwas in der Hand zu haben, ist einfach. Glückwunsch, da hast du allerhand mit den Relativisten gemein, die ihren irrationalen Unsinn von ›Raum- und Zeit-krümmungen‹ auch so toll ohne jeglichen Beweis ›überprüft‹ haben. Leute wie dich nennt man Pseudoskeptiker, die schlimmste Art von Dogmati-kern.«

 

Wir haben hier also mindestens die Punkte (1), (2), (3), (5), (6) und (7), die uns den Pseudoskepizismus in all seiner Pracht deutlich machen.

 

 

Fazit

 

Was ist der Pseudoskeptiker?

Er ist jemand, der Denken und Fühlen nicht unterscheiden kann, da er sich als Kind den irrationalen und autoritären Positionen seiner Eltern anpassen mußte. Er hat nicht gelernt, daß Tatsachen freundlich sind. Er kennt nicht den Wert logischen Denkens und kann mit Zweifeln an autoritären Positionen nicht umgehen.

 

Was will er?

Emotional argumentieren.

 

Was kann man gegen ihn tun?

Ignorieren.

 

 

 

Der Pseudoskeptiker gleicht Behauptungen immer mit seinen Gefühlen ab und ordnet sie danach in Richtig und Falsch. Eine wissenschaftliche Methode ist ihm fremd. Offener Zweifel, eine Position des wissenschaftlichen Agnostizismus, ist ihm fremd. Er fühlt, daß etwas wahr oder falsch ist, und das gibt ihm eine Sicherheit und Arroganz, die nicht nur fehl am Platze ist, sondern auch äußerst abstoßend auf echte Skeptiker wirken muß. Hier prallt man auf einer viszeralen Ebene aufeinander und jeder Dialog wird in kürzester Zeit in eine Schlacht der Emotionen ausarten. Denn dort fühlt sich der Pseudoskeptiker zuhause.

Die unbändige Emotionalität, ohne sachliche Auseinandersetzung mit den Fakten, führt dazu, daß Pseudoskeptiker einem wirklich unter die Haut gehen können. Sie haben keine Probleme damit, wenn sie sich in eine Ecke gedrängt fühlen, zu diffamieren. Das Gegenüber zu einer emotionalen Äußerung zu bewegen und damit jede rationale Diskussion möglichst schnell entgleisen zu lassen, ist das höchste Ziel. Heutzutage ist eine ihrer absoluten Lieblingswaffen das Wort  »Verschwörungstheoretiker« geworden. Es beinhaltet den Vorwurf, man lehne die Konsensmeinung ab, weil man lieber an eine hanebüchene böswillige Agenda von Schattenmännern glauben möchte. Es diskreditiert den Beschuldigten (Punkt (3)), ohne daß man sich näher mit seiner Position beschäftigen müßte (Punkt (1)) und es bedarf keiner Beweise (Punkt (4)). Pseudoskeptiker glauben, allein das Aussprechen dieses Wortes zerstöre die Position des Gegenübers. »Mir gefällt nicht, was du sagst, also bist du ein Verschwörungstheoretiker.« In die gleiche Richtung zielen alle Argumente, die dem Gegenüber unterstellen, einfach ein Laie oder Amateur zu sein, der keine Ahnung habe und seine Meinung lieber für sich behalten solle. Die Experten würden schon wissen, was richtig ist. Es ist das argumentum ad verecundiam, das sie in ihrer Autoritätshörigkeit mehr als alles andere für ein echtes Argument halten. Wenn das nicht zieht, bleibt noch die Beleidigung, das argumentum ad hominem.

Was kann man tun?

Pseudoskeptizismus ist ein tiefsitzendes emotionales Problem. Es kann nicht durch logisches Argumentieren überwunden werden. Der Pseudoskeptiker muß sich seiner Lage bewußt werden und sich dem daraus entstehenden Gefühlstumult stellen. Das ist eine sehr persönliche und äußerst schwierige Aufgabe; vielleicht eine unlösbare Aufgabe.
Für denjenigen, der sich in einer Diskussion mit einem Pseudoskeptiker befindet, ist die Sachlage klar: Man befindet sich in einer Situation, in der es kein Gewinnen gibt, da den Pseudoskeptiker kein Argument der Welt und kein empirischer Beweis jemals umstimmen wird. Seine Sicht der Dinge hängt nur von seinen eigenen Emotionen ab und diese Emotionen kann ihm niemand als falsch nachweisen. Man steht diesen Leuten als echter Skeptiker so gegenüber, wie man auch anderen Gläubigen gegenübersteht: Machtlos.

auch immer - und ihren Kindern diese Ansichten durch autoritäre Bevormundung aufdrängen, dann befindet sich das Kind in einer emotionalen Zwickmühle. Zum einen verspürt es den Drang, die Ansichten selbst skeptisch zu überprüfen. Wenn die Eltern z. B. von unsichtbaren Göttern erzählen, dann entstehen im Kind tiefgreifende Fragen nach der Existenz dieser angeblichen Objekte. Es wird in der realen Welt niemals Anzei-chen für sie finden. Aber gleichzeitig ist das Kind in all seinem Tun immer darauf bedacht, es den Eltern rechtzumachen. Letztlich siegt das Pflichtgefühl, die Sichtweise der Eltern anzunehmen, über die natürliche Skepsis. Die Ansichten der Eltern - der Autoritätspersonen - werden im Widerspruch zu jeglicher empirischer Realität übernommen. Die einzige Rechtfertigung für die Ansichten entsteht daher aus den Gefühlen, die das Kind den Eltern entgegenbringt. Wir landen im Glauben, der rein emotional abgestützt wird.

Der Psychologe Carl Rogers hat darauf hingewiesen, daß Kinder lernen müssen, daß Tatsachen freundlich sind. Aber wenn Kindern der irrationa-le Glaube der Eltern aufgezwungen wird, dann stehen Tatsachen und logisches Denken wie eine mächtige Mauer zwischen Eltern und Kind. Das Kind muß sich entscheiden und wird jedesmal die Seite der Eltern wählen. Es lernt, der Wirklichkeit nicht zu trauen, sondern nur auf die innere Stimme zu hören, die ihm aus Angst vor dem Verlassenwerden und falschem Pflichtgefühl eintrichtert, es sei auf Gedeih und Verderb davon abhängig, mit den Autoritätsfiguren einer Meinung zu sein. Sollten die Tatsachen im Widerspruch stehen, wird grundsätzlich emotional argumen-tiert. Etwas anderes bleibt dem Kind und zukünftigen Pseudoskeptiker nicht. Dieser Mensch wird sich sein ganzes Leben lang an die Ansichten von Autoritäten ketten, weil er in der Kindheit nichts anderes gelernt hat. Er kennt den Wert logischen Denkens nicht. Er wird die Autorität von Professoren nicht anzweifeln, da dies auf einer tieferen Ebene hieße, die einstige Autorität der Eltern anzuzweifeln.

 

Alice Miller stellte fest:

 

»Nur wenige Menschen sind fähig, konkret und real zu denken. Den anderen bleibt dann der Glaube. Sie warten darauf, daß ein Stärkerer die Er-Lösung bringt. Wer sich diesen Schwachen gegenüber als starke und wissende Autorität ausgibt und behauptet, etwas zu ihrem Wohl zu tun, hat die Pflicht, sich über die entscheidenden Fakten zu informieren. Wenn er dies nicht tut, wenn er diese Pflicht vernachlässigt oder ignoriert [...], handelt er destruktiv, weil er Schwäche und Vertrauen der Gläubigen mißbraucht und diese auf gefährliche Weise verwirrt.« (Alice Miller, Abbruch der Schweigemauer, S.140)

 

Der Pseudoskeptiker ist in seinem Denken immer noch das Kind, das dem emotionalen Zwang, mit den irrationalen Ansichten seiner Eltern konform zu gehen, nachgibt. Je weiter der Pseudoskeptiker in der akademischen Hierarchie aufsteigt, desto mehr wird er zu einer Autorität für andere Pseudoskeptiker. Seiner Pflicht, sich vorbehaltlos über die Tatsachen zu informieren, kommt er nicht nach, da er sich selbst nicht erlauben kann, zu zweifeln. Das hieße nämlich, die eigenen Gefühle als falsch zu verstehen. Aber die Gefühle sind dem Pseudoskeptiker alles, was er hat, um sich eine Weltsicht zusammenzusetzen. Wenn er sich nicht in die emotionalen Abgründe begeben will, in denen sich die Wahrheit über seine Kindheit und das Verhalten seiner Eltern verbirgt, hat er keine Chance, aus dem Teufelskreis von falschem Pflichtgefühl, Autoritätshörigkeit, emotionalem Argumentieren und dem Verfechten irrationaler Ansichten auszubrechen.

Beispiel Atheismus

Zu bestimmten Zeiten im Leben bietet sich die Chance zur Rebellion gegen elterliche Ansichten. Die erste Periode dieser Art ist die Pubertät. Ich kenne viele Atheisten, die anfingen, sich mit etwa dreizehn oder vierzehn Jahren intensiv mit Religion auseinanderzusetzen und zu der Überzeugung kamen, daß das alles Hokuspokus ist. Bei mir selbst war es genauso. Aber diese Schlußfolgerung kann auf zwei Arten gerechtfertigt werden: Indem man die Abwesenheit empirischer Beweise für spukige Götter als Beweis für die Abwesenheit dieser verdinglichten Konzepte begreift und die Unlogik des ganzen Wahnsystems erkennt, oder einfach durch ein emotionales (unbewußtes) Rebellierenwollen gegen das, was die Eltern und das Umfeld predigen. Die erste Vorgehensweise ist die eines Skeptikers, die zweite die eines Pseudoskeptikers. Beide gelangen zum gleichen Schluß, aber auf völlig unterschiedlichen Wegen. Der Skeptiker hat eine Methode - die empirische oder wissenschaftliche Methode -, der Pseudoskeptiker hat nur seine Gefühlswelt, die ihn veranlaßt, seine Haltung zu ändern. Er wird sich in seinem neu gefundenen Atheismus an neue Autoritäten, wie den allseits bekannten Richard Dawkins, halten. Eine emotional abgesegnete Position wird schlicht durch eine andere ersetzt. Daß der Pseudoskeptiker im Falle seiner atheistischen Überzeugung recht hat, ist ein Zufall, ein weltanschaulicher Glückstreffer.
Weitere Phasen, während derer es zu einer Auflehnung gegen die einstigen autoritären Ansichten kommen kann, ergeben sich häufig um den dreißigsten Geburtstag, in der Midlife-Crisis oder dann, wenn einer der Elternteile stirbt. Mir ist ein typisches Beispiel bekannt, wo ein Fünfzigjähriger, der sein ganzes Leben lang zur Esoterik neigte, plötzlich nach dem Tod seiner ultra-religiösen Mutter zu einem missionarischen Atheisten wurde. Gerade das Missionierenwollen und endlose (emotionale!) Diskutieren in Religionsforen zeichnet Pseudoskeptiker aus, die allein durch die Rebellion gegen die Eltern - einem psychologischen Ausagieren - zum Atheismus kamen. Sie mögen auch auf anderen Gebieten rechthaben, z. B. was unsinnige Behauptungen von UFOs, paranormalen Phänomenen und ähnlichem angeht. Aber all ihre richtigen Ablehnungen entstammen nicht einer skeptischen Prüfung der Beweise und daher kann ihnen nicht vertraut werden. Die Gefahr besteht immer, daß sie neue, bessere Theorien ablehnen, nur weil sie neu sind oder nicht in ihr vorgefertigtes Bild passen.
Das Problem ist, daß diese atheistischen Pseudoskeptiker nur schwer von echten Skeptikern unterschieden werden können, da beide Fraktionen eine große gemeinsame weltanschauliche Basis besitzen. Es gibt heute viele Pseudoskeptiker, die sich selbst als Wissenschaftler verstehen und auch von der Öffentlichkeit so eingeschätzt werden, aber bei näherer Betrachtung neben all den richtigen, letztlich jedoch nur emotional gerecht-fertigten Schlüssen auch eine Unmenge an pseudowissenschaftlichem Humbug produzieren, siehe Urknall, Relativität und Quantenmechanik.

 

Die Ursachen für die Unfähigkeit, zwischen Denken und Fühlen zu trennen, dürften in der Kindheit des Pseudoskeptikers zu finden sein. Der Psychologe John Bradshaw schreibt:

»Jean Piaget nannte Kinder ›kognitive Fremdlinge‹. Sie denken anders als Erwachsene und neigen zum Absoluten. Ihr Denken ist durch ein Alles-oder-Nichts-Prinzip gekennzeichnet. [...] Kinder sind nicht logisch. Das läßt sich am besten an einem Phänomen zeigen, das man ›emotionales Argumentieren‹ nennt. Ich habe ein bestimmtes Gefühl, also muß es so sein. [...] Kinder brauchen eine ausgewogene Erziehung, damit sie lernen, wie man das Denken vom Fühlen unterscheidet.« (John Bradshaw, Das Kind in uns (2000), S.55f)

 

Der Pseudoskeptiker ist auch im Erwachsenenalter noch ein »kognitiver Fremdling«, der große Angst davor hat, eine neue Sichtweise, die seiner bisherigen widerspricht, überhaupt zuzulassen. Dahinter verbirgt sich das kindliche Alles-oder-Nichts-Prinzip: »Wenn ich nur ein wenig Zweifel zulasse, wird meine ganze Welt einstürzen.« Wie Bradshaw erwähnt, kann diese Art der kognitiven Fehlleistung Folge einer unausgewogenen Erziehung sein. Wenn Eltern irrationale Ansichten halten - sei es in Religion, Wissenschaft, Philosophie oder wo

Psychologische Ursachen

Pseudoskeptizismus ist nur ein Name für eine sehr verbreitete Verhaltensweise, die längst nicht auf wissenschaftliche Themen beschränkt ist. Ja, man kann sagen, daß religiöser Glaube aller Art die gleichen Wurzeln hat. Der grundlegende Fehler ist der, daß Denken mit Fühlen verwech-selt wird. Wenn der Pseudoskeptiker mit einer für ihn neuen Behauptung konfrontiert wird, wird diese sofort und unweigerlich emotional bewertet und zwar danach, wie sie sich in sein übriges Weltbild einfügt und inwieweit sie von den zuständigen Autoritäten abgesegnet wird. Paßt die Behauptung nicht in das Weltbild des Pseudoskeptikers oder sprechen sich Experten dagegen aus, wird sie sofort, ohne Überprüfung, abgelehnt. Paßt sie jedoch oder wird von Experten akzeptiert, fühlt sich der Pseudoskeptiker sofort, ohne Überprüfung, in der Lage, sie als Tatsache anzunehmen. Sollte jemand anderes skeptisch bleiben und Fragen stellen oder gar versuchen, die Behauptung zu widerlegen, empfindet der Pseudoskeptiker das als emotionalen Angriff. Er wird die skeptische Gegenbehauptung von vorneherein ablehnen, da er eines nicht will: Zweifeln. Er will Sicherheit und ewige Wahrheiten. Seine Ablehnung einer echten skeptischen Grundhaltung und die Weigerung, sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen, führt dazu, daß er seinem Gegenüber in Diskussionen häufig mit Sprüchen begegnet wie: »Wie kannst du es wagen, das anzuzweifeln?« oder »Du solltest dich schämen, daß du das hinterfragst.« Als ob der Skeptiker eine Pflicht hätte, auf die Gefühle des Pseudoskeptikers oder der sogenannten Experten Rücksicht zu nehmen.

Der Pseudoskeptiker
Was er ist, was er will, was man gegen ihn tun kann.

Wenn man sich der Darstellung neuer Perspektiven in der Wissenschaft verschrieben hat, kommt man zwangsläufig in Konflikt mit der herrschenden Lehrmeinung. Das ist an sich keine schlimme Sache, ist es doch gerade der Zweifel an bestehenden Ansichten, der die Wissenschaft seit jeher vorantreibt. Descartes meinte: »Dubium sapientiae initium« - Zweifel ist der Weisheit Anfang. Ein ehrlicher Skeptizismus ist unerläßlich für den wissenschaftlichen Fortschritt. Leider gibt es in der heutigen Wissenschaft viele Leute, die sich Skeptiker nennen mögen, es aber beileibe nicht sind. Der Soziologie-Professor Marcello Truzzi führte 1987 den Begriff des »Pseudoskeptikers« ein, um echte Skeptiker von solchen zu unterscheiden, die sich nur wissenschaftlich anmutender Sprache bedienen, um Glaubenssätze, Behauptungen, Theorien - allgemein anderer Leute Ansichten - zu widerlegen, aber tatsächlich darin versagen, wirklich skeptisch zu denken. Der Pseudoskeptiker gibt vor, eine Behauptung ganz offen untersuchen zu wollen, hat aber insgeheim von Anfang an entschieden, daß die fragliche Behauptung wahr oder falsch ist. Da die Entscheidung bereits vor der Prüfung der Materie feststeht, kann sie natürlich nicht auf wissenschaftlichen Argumenten beruhen. Sie ergibt allein aus den Gefühlen des Pseudoskeptikers. Truzzi listete folgende Erkennungsmerkmale des Pseudoskeptizismus auf:
(1) Tendenziell lieber abzustreiten als zu bezweifeln.
(2) Zweierlei Maß für das Ausüben von Kritik anzulegen.
(3) Tendenziell lieber zu diskreditieren als zu untersuchen.
(4) Ungenügende Beweise zu präsentieren.
(5) Anzunehmen, Kritik sei unabhängig von der Beweispflicht.
(6) Substanzlose Gegenbehauptungen aufzustellen.
(7) Oder solche Gegenbehauptungen aufzustellen, die eher auf Plausibilität als auf empirischen Beweisen beruhen.

Für einen typischen Vertreter des Pseudoskeptizismus im deutschsprachigen Raum halte ich Prof. Harald Lesch, dessen rein emotionale Ablehnung der kosmologischen Theorie des »Müden Lichts« in meinem Youtube-Video »Rotverschiebung rational erklärt« dargestellt wird. Er gibt sich nicht die geringste Mühe, eine Alternative zu seinem Urknall überhaupt in Erwägung zu ziehen. Das Urteil steht für ihn von Anfang an fest. Da er sich mit den Argumenten für die modernen Varianten der Theorie des »Müden Lichts« gar nicht näher beschäftigt hat, und daher gar nicht wirklich weiß, wovon er redet, bleibt ihm nur, den Zuschauer durch eine großangelegte Zurschaustellung von Langeweile emotional zu manipulieren. Danach dreht er den Farce-Faktor ein wenig herunter und beginnt einen kleinen Vortrag, der den Anschein von Wissenschaftlichkeit erweckt, aber alles andere als echten Skeptizismus offenbart. Falls Sie dieses Schauspiel noch nicht gesehen haben, sollten Sie das unbedingt nachholen. Es handelt sich um ein Paradebeispiel für pseudoskeptisches »Argumentieren«.